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Diplomarbeit von Dania Ammann für die Internationale Schule für Touristik AG, Zürich. Thema: Stehende Wellen und Surftourismus im Binnenland Schweiz und im restlichen Mitteleuropa. |
Sicherlich ist es nicht naheliegend eine Diplomarbeit über Wellenreittourismus in der Schweiz zu schreiben. Wellenreiten in der Schweiz hört sich genau so unvorstellbar an, wie Snowboarden auf dem Dünenberg Monte Kaolino.1 Es existiert aber beides. Obwohl die Schweiz bekanntermassen ein Binnenland ist, besteht die Möglichkeit, diesen Sport hier zu praktizieren. Es wird nicht in rollenden Wellen wie im Meer gesurft, sondern es bietet sich die Gelegenheit in stehenden Wellen zu surfen.
-- Dania Ammann
Das Surfen ist nicht nur ein Sport, sondern eine Lebensphilosophie, die am liebsten im Meer ausgeübt wird. Der Reiz einer stehenden Welle, ob natürlich oder künstlich, liegt in der guten Erreichbarkeit, wodurch die Reisekosten günstig sind. Dies ist natürlich auch aus ökologischer Sicht interessant. Ein kurzer Anfahrtsweg und der Wunsch nach einer minimalen Infrastruktur gehören zu den Bedürfnissen, die von den Sportlern wie auch den Zuschauern gewünscht werden. Obwohl das Surfen in stehenden Wellen noch unbekannt ist, existieren bereits einige Angebote. In München, dem Riversurfer-Mekka, wird schon seit Jahren in verschiedenen Spots in der Isar und ihren Kanälen gesurft, genau so wie in anderen Regionen von Deutschland, Österreich, Italien und der Schweiz. Da das Surfen zurzeit auf eine grosse Nachfrage stösst, sind die bekannten stehenden Wellen oft stark besucht. Deshalb wurde in den letzten Jahren die Forschung zur Erschaffung von künstlichen stehenden Wellen vorangetrieben. Es sind bereits professionelle Flowrider- und andere Indoor-Surfanlagen auf dem Markt. Die Entwicklung, einer "perfekten Welle" ist im Gange. Die Initianten der beiden Projekte Limmatwave und Tube6 fanden ihre Lösung in einem zu Betriebszeiten mit Wasser aufpumpbarem Gummikörper, welcher eine ideale Welle erzeugt, anpassbar an das Können des Surfers wie auch an die Abflussmenge. Somit wird das Surfen an Orten möglich, wo der Wasserstandsunterschied nicht natürlich vorhanden ist.

Auf drei bereits bestehende Surfspots wird in dieser Arbeit genauer eingegangen. Die Welle in Bremgarten, welche die einzige Welle für Surfer in der Schweiz ist, gilt als eine der besten in Europa. In München finden sich insgesamt fünf surfbare Wellen, wobei die Eisbach-Welle und die Flosslände die Bekanntesten sind. Die Indoor Flowrider-Anlage in Bad Tölz erwies sich als lohnenswert. So ist Surfen in Bad Tölz an 365 Tagen im Jahr in angenehm warmem Wasser möglich.
Obwohl keine der Wellen aktiv vermarktet wird, stellen sie ein Publikumsmagnet dar. Sie verleihen der Stadt ein jugendliches und sportliches Image. Die Passanten von jung bis alt bleiben immer wieder verwundert stehen, denn Surfen im Fluss ist eine noch sehr unbekannte Attraktion, die eine erfrischende Abwechslung bietet. Die Mehrheit der Surfer sind Einheimische oder Tagestouristen. Deshalb ist die Anzahl der Logiernächte noch gering. Eine grössere Zahl der Surfer wäre durchaus bereit, eine längere Anreise hinzunehmen. Preiswerte Unterkünfte sind dazu jedoch eine Basisvoraussetzung, nur so kann das Einzugsgebiet vergrössert werden. Die Umfrage am Wave & Wheels hat gezeigt, dass 21% der Befragten übernachten, wovon das Campen mit über 93% der Spitzenreiter ist. Durch das Organisieren von Events und Camps können Übernachtungen schon eher generiert werden.
Die Wertschöpfung durch eine stehende Welle ist schwer abzuschätzen, sie ist momentan jedoch relativ gering, was sicher auch eine Frage der Vermarktung ist. Gemäss meinen Umfragen geben die Surfer für ihren Sport zurzeit nicht viel Geld aus, sie sind aber dazu durchaus bereit. Dies zeigt auch eine Studie des Schweizerischen Olympischen Verbandes (SOV) und Sport-Toto. Die Auswertung zeigt, dass ein Schweizer (im Alter von 14-75 Jahren) pro Jahr 1376 Franken für Sportequipment ausgibt. Diese Summe beruht auf der Polysportivität der Schweizer Bevölkerung. Obwohl das Surfen ein Image von Jugendlichkeit trägt, sind Surfer über 30 Jahre durchaus in grosser Zahl vertreten. Somit ist das Potenzial zur Wertschöpfung gross, da diese über ein entsprechendes Einkommen verfügen. Zudem ist zu erwähnen, dass die heutigen Jugendlichen sehr wohl Geld ausgeben, dies jedoch sehr gezielt. Dadurch besteht ein Potenzial zur Steigerung der Wertschöpfung. Zurzeit erzielt eine Indoor-Welle eine grössere regionale Wertschöpfung als eine Riverwelle. Nicht nur die Ausgaben der Gäste, sondern auch der Bau, der Energieverbrauch sowie die grössere Anzahl von Arbeitsplätzen bringen der Wirtschaft eine höhere Wertschöpfung.
Die Finanzierung einer stehenden Welle stellt ein Problem dar. Sie kann durch Eigenfinanzierung, durch Investoren oder Sponsoren erfolgen. Für das Fortbestehen der Anlage ist eine gesicherte Refinanzierung wichtig. Meine Umfrage zeigt, dass die Benützer von stehenden Wellen bereit sind für das Angebot etwas zu bezahlen. Bei einer Indoor-Welle, wie zum Beispiel die Flowrider-Anlage in Bad Tölz, liegt die Ausgabebereitschaft etwas höher als bei Flusswellen. Zurzeit ist das Benützen von stehenden Wellen unentgeltich so wie in Bremgarten oder München, nur für die Flowrider-Anlagen wird Eintritt verlangt.
Die drei Projekte, die beiden Flusswellen-Anlagen Limmatwave (Zürich) sowie Tube6 (München) und die Flowrider-Anlage im Aqui-Park (Zürich) sind in der Planung weit vorangeschritten. Das Limmatwave-Projekt des Vereins Stehende Welle hat eine Minderproduktion von Strom des Elektrizitätswerkes der Stadt Zürich (EWZ) zur Folge. Die Indoor-Anlagen haben nebst vielen Vorteilen auf der anderen Seite einen relativ grossen Energieverbrauch. Die auf 2007 projektierte Tube6 unterliegt zwar einer grossen Konkurrenz, bietet jedoch etwas Neues, eine richtige bis zu 2 Meter hohe Tubewelle.
Eine möglichst attraktive Gestaltung der Umgebung um ein grösseres Publikum anzusprechen steht im Widerspruch zu den ökologischen Anforderungen. Wenn bei der Realisation einer Riverwelle gewisse Punkte beachtet werden, dann ist diese Welle weder umweltschonend noch umweltschädlich. Belastend ist nicht die Welle an sich, sondern der Betrieb, wie Lärm und Abfall. Mit einer gesteigerten Attraktivität nimmt vor allem der Lärm der Leute zu. Durch eine Erweiterung des Angebotes, wie Restaurant, Bars ect. kann eine grössere Wertschöpfung erzielt werden. Dazu gehören ebenfalls das Veranstalten von Events und Camps, wodurch auch der Bekanntheitsgrad gesteigert wird.
Das vorherrschende Platzproblem in einer Stadt führt sowohl bei Indoor- wie Outdoor-Anlagen zu Zielkonflikten der verschiedenen Interessensgruppen. Eine gute Besucherlenkung kann sich gleich mehrfach positiv auswirken. Zum Einen können die Besucher an den Shops und Restaurants vorbei geführt werden, ebenso ist es hilfreich, dass die vorgesehenen Parkplätze benützt werden und des Weiteren kann die Durchfahrt durch die Quartierstrassen vermieden werden. Die Mehrheit der Anwohner ist positiv gegenüber dem Limmatwave-Projekt gesinnt, ihnen liegt vor allem die Sicherheit am Herzen.
Erstaunlicherweise ist die Kombination von Snowboarden und Flowriden noch von keiner Winterdestination realisiert worden. Dies wäre ein gutes Marketingmittel zur Produktentwicklung Marktfeld-Strategie. Durch die Zusammenarbeit mit anderen Surfspots und gemeinsamen Marketingmassnahmen sowie anderen Partnerschaften wie der SBB kann der Surfsport gefördert und die Wertschöpfung und der Tourismus gesteigert werden.
So könnte das Süsswassersurfen in Zukunft durchaus eine bedeutende Rolle einnehmen.
Die komplette Diplomarbeit kann hier als PDF File (99 Seiten, 6.6 MB) runtergeladen werden:
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